Chipkarten im öffentlichen Nahverkehr: eTicket

Posted by on January 20, 2015 . 0 Comments.

Die Informationstechnologie ist heute soweit entwickelt, als dass sich inzwischen auch viele „smarte“ Lösungen für die Ticketsysteme von Verkehrsgesellschaften auftun. Darunter das eTicket Deutschland.

 

Das eTicket Deutschland im Detail

 

eTicketDer Name  eTicket Deutschland bezeichnet im Grunde nicht das einzelne Ticket, sondern das System dahinter, welches es ermöglicht, bargeldlos und ohne den Umstand eines Papierfahrscheins abzurechnen. Das System ist an dem blauen (((e-Symbol erkennbar.

Das eigentliche Abrechnungsmedium wiederum kann dann durchaus das Ticket selbst sein – muss aber nicht. Auch andere kontaktlose Medien, beispielsweise ein Smartphone oder andere, mit RFID-Technik ausgestattete Gegenstände können genutzt werden. Die Abrechnung an sich ist zwar Sache des Verkehrsbetreibers, läuft dabei aber stets über die Plattform der VDV eTicket Service GmbH & Co. KG. Auf diese Weise lassen sich auch Fahrten in anderen Gebieten (insofern der eTicket-Dienst dort verfügbar ist) abrechnen ohne eine neue Chipkarte anfertigen zu müssen.

Dies führt zugleich dazu, dass sich die Fahrgäste nicht wie beim Lösen eines Fahrscheines in das Tarifsystem des Verkehrsnetzbetreibers einarbeiten müssen, sondern der Preis anhand der Strecke zwischen Start- und Endpunkt automatisch berechnet und gegebenenfalls abgebucht wird.

 

Die Varianz der Fahrpreisermittlung

 

Das System eTicket Deutschland bietet dem Nutzer verschiedene Möglichkeiten der Fahrpreisermittlung. So kann der Kunde entweder herkömmliche Zonen- oder Zeitkarten kaufen oder die Reise je nach Nutzung bezahlen. Es kann in zwei grobe Kategorien unterschieden werden:

-          Fahrpreisermittlung vor der Fahrt durch die Auswahl eines bestimmten Tickets:

Hier sollte der Reisende seinen Reiseverlauf kennen beziehungsweise selbst ermitteln. Auf diese Weise kann er sein Ticket mit Hilfe des Abrechnungssystems des eTickets vor der Fahrt kaufen, und zwar entweder als klassischen Papierschein oder in Form des eTickets. Die Ticketerfassung ist hier statisch, weil die Fahrtdaten wie Fahrtstrecke, der Fahrpreis, die Geltungsdauer und der Geltungsraum des Tickets bereits vor der Fahrt feststehen.

 

-          Flexible Ticketerfassung und –berechnung während der Fahrt:

Wenn der Nutzer vor Fahrtantritt noch nicht weiß, welches Ticket er benötigt, beispielsweise weil er sich nicht auf das Ende seiner Fahrt festlegen möchte, so gibt es die dem Prinzip der Taxinutzung ähnelnde automatische (dynamische) Fahrpreisermittlung: Sie orientiert sich an der Zahl der Stationen beziehungsweise an der zurückgelegten Route. Der Preis wird erst am Ende der Route berechnet. Die technische Antwort auf diese Problemstellung bietet zwei Möglichkeiten:

1.       Die bewusste Erfassung durch ein Lesegerät (Check-in und Check-out):

Der Kunde hält sein eTicket beim Ein- beziehungsweise Aussteigen an ein Lesegerät entweder im Fahrzeug oder an der Haltestelle. Auf diese Weise wird dem Terminal die Erfassung des Tickets signalisiert.

2.       Die automatische Erfassung per Funk:

Diese Variante ist im Gegensatz zur ersten noch komfortabler und bietet dem Verkehrsunternehmen zugleich mehr Sicherheit vor Schwarzfahrern, weil das eTicket automatisch beim Ein- und Ausstieg per Funk erfasst wird.

 

Die Abrechnung erfolgt entweder pre- (Aufladung) oder post-paid (Rechnung, die per Lastschrift oder Kreditkarte beglichen wird). Auch kann das Guthaben bei Verwendung der pre-paid Zahlungsmethode automatisch wieder aufgeladen werden.

 

Die Geschichte des Fahrscheins kurz skizziert

 

Der öffentliche Nahverkehr hat in Deutschland eine lange Tradition – die ersten elektrischen Straßenbahnen gab es bereits vor dem letzten Jahrhundert. Sogar davor gab es bereits eine Art Straßenbahn: Die Pferdebahn. Der Unterschied zur elektrischen Straßenbahn bestand darin, dass die Wagen mit Hilfe von Pferden an Stelle eines Elektromotors betrieben wurden.

Schon damals gab es in diesem Zuge natürlich auch Tickets: In ihrer primitivsten Form bestanden sie einfach nur aus Geld, welches direkt beim Einstieg verlangt wurde. Weiterhin gab es danach einfache Papierscheine, die man entweder an einem Schalter oder an einem Automaten lösen konnte. Der Vorteil dieser ersten „wahren“ Tickets war, dass man diese nun auch vor dem Fahrtantritt lösen konnte. Auf diese Weise konnte der höhere Verkehrsdurchsatz besser bewältigt werden, da das Einsteigen nun viel schneller vonstattenging – anders als bei einer Pferdebahn fahren in einer Straßenbahn schließlich viele Menschen mit.

Doch irgendwie ist die Entwicklung zum Beginn des letzten Jahrhunderts stehen geblieben. Bis heute sind die Papierscheine von damals immer noch präsent – natürlich mit fälschungssichererem Papier, in Farbe, mit Werbung und gegebenenfalls auch mit aufgedruckten, persönlichen Daten, aber es sind immer noch Papierscheine – nicht mehr und nicht weniger. Eine wirkliche Prinzip-Änderung gab es seit einhundert Jahren nicht wirklich. Wie auch beim Umbruch in der Automobilbranche drängt die Zeit also regelrecht auf eine Änderung:

 

Das elektronische Ticket

 

Elektronische Tickets im öffentlichen Nahverkehr, also Tickets mit integriertem Chip (in der Regel ein RFID-Chip), gibt es kommerziell bereits ab den 1990er Jahren, beispielsweise in Form der Geldkarte, der PayCard oder der ALLFA (Raum Dresden). Die Systeme der verschiedenen Verkehrsgesellschaften konnten mangels Inkompatibilität allerdings nicht interoperieren. Dies nahm der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zum Anlass, im Jahr 2003 ein eigenes Unternehmen namens VDV Kernapplikation GmbH & Co. KG zu gründen, welches sich ganz diesem Problem widmet. Eine Lösung präsentierte das Unternehmen zwei Jahre später: Die VDV-Kernapplikation wurde im Jahr 2005 als Standard für ein elektronisches Ticket vorgestellt.

Noch im Jahr 2005 übernahm die Saarbahn GmbH das System als Pilotprojekt. Alsbald wurde auch der Name von „VDV-Kernapplikation“ nach „eTicket Deutschland“ geändert. Weitere Pilotprojekte folgten im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) sowie in der Verkehrsgemeinschaft Niederrhein (VGN) unter den Namen Ticket 2000 und Ticket 1000. Im VRR gab es für Schüler zudem das elektronische SchokoTicket, das YoungTicketPlus sowie das BärenTicket für Senioren. Ab 2003 wurden die Abonnenten in den genannten Verkehrsgesellschaften mit einem proprietären System ausgestattet, die Umstellung auf das eTicket Deutschland erfolgte im Jahr 2007.

Der wahre Vorteil des eTicket Deutschland aber wurde erst im April 2006 praktisch angewandt, als das erste verbundübergreifende System eingeführt wurde. Dieses entstand zwischen dem KreisVerkehr Schwäbisch Hall, dem OstalbMobil und dem Nahverkehr Hohenlohekreis. Der Heilbronner Nahverkehr schloss sich zu Beginn des Jahres 2011 an. Das eTicket dieser Verkehrsverbände wird unter dem Namen Kolibricard vertrieben, wo neben der Abonnementkarte auch anonymisierte Prepaidkarten und Einzelfahrscheine angeboten werden.

In anderen Ländern gibt es übrigens bereits vergleichbare Systeme, die schon etwas etablierter sind: In London ist dies die Oyster-Card, in Hong-Kong die Octopus-Karte,  in den Niederlanden die OV-chipkaart sowie der Navigo Pass in Paris. In Deutschland wurden bislang etwas über 10 Millionen Chipkarten produziert.

 

Beispiele von Karten. Hier z.B. die Oyster-Card aus London oder das Kartensystem für den Navigo Pass in Paris

    

 

Verwendete Grafiken:

http://de.wikipedia.org/wiki/Oyster-Card

https://en.wikipedia.org/wiki/Navigo_pass

http://de.wikipedia.org/wiki/ETicket_Deutschland

 

Last update: December 21, 2016

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